Die Geschichte Albaniens

Die Albaner haben keine Geschichte gefüllt mit Triumphen und Errungenschaften, dennoch ist die Geschichte Albaniens eine der ältesten in der Region.
Die Geschichte Albaniens beinhaltet nicht nur die historischen Daten des geographischen Raums von heute, sondern auch die der Territorien, die nicht mehr zum offiziellem Albanien gehören.

Die ältesten Spuren von Besiedlung weisen 100000 – 30000 Jahre zurück, in die Moustérien-Periode, die zum Mittelpaläolithikum gehört. Aus dieser Zeit stammen sehr fein gearbeitete Werkstücke wie zum Beispiel Faustkeile, die zur Beschaffung von Essen dienten.
Historische Quellen zeugen von der Tatsache, dass während der Eisenzeit das albanische Territorium von den Illyrern besiedelt war. Hierbei handelte es sich um eins der größten Völker Europas und eine der berühmtesten Zivilisationen der Antike, die sich auf dem ganzen westlichen Teil der Balkanhalbinsel ausbreiteten. Die Albaner sind direkte Nachkommen dieser Zivilisation.
Die vorteilhafte geografische Lage Albaniens hat immer wieder die Aufmerksamkeit der Nachbarvölker auf sich gezogen und war somit Hauptgrund, wieso Albanien sehr viele Besatzungen durchleben musste. Über die Jahrhunderte hinweg wurde Albanien von griechischen, byzantinischen  sowie später slawischen und osmanischen Mächten besetzt, die natürlicherweise auch Spuren in der Geschichte, Kultur, Sprache und Lebensart der Albaner hinterlassen haben.
In den Jahrhunderten vor der römischen Besetzung, entwickelten sich die illyrischen Stämme zu fortschrittlichen Provinzen besonders im Süden des Landes und an der Küste, wo sie ihren höchsten sozialen und politischen Stand erreichten.
Als das Römische Reich sich im Jahr 395 n. Chr. teilte, wurden die Territorien des heutigen Albaniens dem Byzantinischen Reich zugeschlagen.
Während schon im Römischen Reich manch Illyrer es bis in die höchsten Ränge der politischen Hierarchie schaffte, stammten gleich drei oströmische Kaiser aus dem Illyricum und leiteten die Geschicke des Byzantinischen Reichs. Es handelte sich um Anastasius I., Justin I. sowie den berühmtesten Kaiser Byzanz Justinian I.
Ab dem 9. Jh. fielen unterschiedliche Regionen Albaniens unter die Herrschaft einer Reihe fremder Mächte, wie den Bulgaren, Normannen, den Angevinern aus Süditalien, Serben oder Venezianern. Die letzte serbische Besatzung, geführt von Stefan Dushan, löste 1347 massive Migrationen der Albaner ins Ausland aus, insbesondere nach Griechenland und auf die Ägäischen Inseln. Mitte des 14. Jh., nach fast 1000 Jahren, ging die byzantinische Besatzung Albaniens zu Ende. Nur wenige Jahrzehnte später wurde das Land einer neuen Bedrohung durch das Osmanische Reich ausgesetzt, das auf dem Balkan expandierte. Die Osmanen marschierten 1388 in Albanien ein und konnten es erst 1430 vollständig besetzen. Ab 1443 konnte der Fürst Gjergj Kastrioti Skënderbeg (1405-1468) alle albanischen Fürsten um sich vereinigen und schaffte es, sein Land von der osmanischen Besatzung zu befreien. Für die nächsten 25 Jahre führte er die albanischen Truppen im Kampf um seine Burg in Kruja gegen die wiederholten Belagerungen an. Da Albanien von den Osmanen als Sprungbrett in Richtung Europa betrachtet wurde, als eine große Inspirationsquelle im weiteren Kampf für die albanische Einheit, Freiheit und Unabhängigkeit. gewann Skanderbegs ungleicher Kampf gegen die Türken sehr an Bedeutung und er selbst hohen Respekt von den europäischen Machthabern in  Neapel, Venedig oder Raguza sowie dem Papst, die mit Geldern und militärischen Kräfte  Skanderbeg zu Hilfe eilten.
Mit Skanderbegs Tod ließ auch der albanische Widerstand nach. 1506 war Albanien wieder vollständig besetzt.
Der von Skanderbeg lange geführte Krieg hatte aber zu großer Bewunderung bei der Bevölkerung geführt, die Albaner hatten zum ersten Mal seit langer Zeit Freiheit von fremder Regierung erlebt. Dies sorgte für eine Festigung des Einheitsgedankens und gab den Albanern ein Bewusstsein für ihre Nationalität. Der große Nationalheld Skanderbeg diente auch später immer wieder

Die nationale Wiedergeburt

Seit Mitte des 19. Jh. wurde das Osmanische Reich zusehends schwächer, was die Völker auf dem Balkan, die Albaner mit einbezogen, nutzten, um ihren Traum eines Nationalstaates zu verwirklichen. 1878 trafen sich albanische Intellektuelle im kosovarischen Prizren und gründeten die Liga von Prizren, eine Versammlung, die die nationalen Rechte und Interessen Albaniens vertreten und schützen sollte. Sie hatte neben der politischen Konsolidierung auch eine kulturelle Ausrichtung. Da es dennoch zu Gebietsabtretungen durch die europäischen Mächte kam, versuchte die Liga weitreichende Autonomie für die albanischen Provinzen Ioannina, Kosova, Manastir und Shkodra als vereinigte Provinz innerhalb des osmanischen Reichs zu erreichen. Innenpolitisch bereitete die Liga von Prizren die Entwicklung der albanischen kulturellen Identität vor. Ihre Errungenschaften umfassten den Fortschritt in der albanischen Sprache, Literatur, Bildung und Kultur. Unter hohem Druck der europäischen Mächte haben die Osmanen die Liga im Jahr 1881 gewaltsam niedergeschlagen. Seit dieser Zeit ist die Liga ein Symbol des nationalen Erwachens für Albanien und ihre Ideen und Ziele waren ausschlaggebend für den Prozess, der in der späteren Unabhängigkeit des Landes gipfelte.

Als 1908 die „Jungen Türken“ an die Macht in Istanbul kamen, versprachen sie den Albanern demokratische Reformen und die Autonomie ihres Landes. Da die neue osmanische Regierung ihr Versprechen nicht hielt, griffen die Albaner zu den Waffen und lieferten sich mit den Besatzern einen dreijährigen Krieg (1910-1912). Obwohl sich die Albaner gegen die Türken behaupten konnten, wurde ihr Landesgebiet nun Ziel der expandierenden Anrainerstaaten. Um die Zerschlagung Albaniens durch Serbien, Montenegro und Griechenland zu verhindern, proklamierte die albanische Nationalbewegung am 28. November 1912 in Vlora die Unabhängigkeit Albaniens. Erster Vorsitzender der albanischen Regierung war Ismael Qemali, der auch die Regierung ausgerufen hatte und dem Kongress in Vlora vorstand.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und in den 20er Jahren war von zwei sich wechselnden politischen Gruppierungen geprägt. Das erste Lager setzte sich aus den Landesherren und Paschas zusammen, die mit der v.a. im Ausland lebenden Bildungselite und den Initiatoren der Unabhängigkeitsbewegung kollaborierten.

Das zweite Lager formierte sich aus progressiven Händlern und Politikern mit zeitgemäßen demokratischen Ideen. Diese Gruppe wünschte sich die Modernisierung des Landes nach westlichen Standards und war politisch eher links orientiert.  

Zwischen den zwei Weltkriegen erlebte Albanien somit unterschiedliche Regierungen und wurde sogar für eine kurze Periode ein Königreich. 1939 besetzte Italien das Land und zwang dessen König Zog I. das Land zu verlassen, der dann zuerst nach Griechenland und später nach Ägypten ins Exil ging.

 

Der Zweite Weltkrieg

Ab Oktober 1940 nutzten italienische Truppen Albanien als Militärstützpunkt um nach Griechenland zu ziehen, was ihnen aber nicht gelang. Nachdem 1941 Nazideutschland Griechenland und Jugoslawien besetzte, schlugen sie Albanien die Provinzen Kosovo und Çamëria zu, so dass sich das albanische Territorium stark vergrößerte. Der neue Staat hielt sich bis November 1944, als die Deutschen von den italienischen Besatzern ersetzt wurden. Schon Anfang 1945 wurde der Kosovo an Jugoslawien und Çamëria an Griechenland abgetreten. Zurück blieb die kommunistische Partei unter der Führung Enver Hoxhas.

Das sozialistische Albanien

Die neuen kommunistischen Herrscher Albaniens erbten ein extrem armes Land, mit einer hohen Analphabetismusrate, brachliegender Wirtschaft und kaum vorhandener Infrastruktur, gelebter Blutrache, vielen epidemischen Krankheiten und genereller mangelnden Bildung. Um diese Probleme zu eliminieren erließ die Kommunistische Partei ein radikales Modernisierungsprogramm, welches auf die soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit und Eigenständigkeit Albaniens zielte.

Mit einer absoluten Missbilligung und Verachtung der Verfassung und jeglicher Menschenrechte war die Herrschaft unter dem Diktator Enver Hoxha von staatlicher Gewalt und strikter polizeilichen Verfolgung gekennzeichnet. Nicht selten wurden Menschen selbst aus den höchsten politischen Rängen der Regierung und der Partei eliminiert, falls sie Wiederstand leisteten oder nicht der Linie Hoxhas folgten. Dies geschah natürlich auch jeder Privatperson die „aus der Reihe tanzte“. Wer die Partei und dessen Werke kritisierte, wurde in Gefängnisse gesteckt, mit der Familie zwangsumgesiedelt und zu schwerster Zwangsarbeit verpflichtet oder einfach exekutiert. Auslandsreisen waren verboten, außer sie dienten den hohen Personen als Arbeitsreisen oder waren staatlich angeordnete Reisen. 1967 erklärte sich Albanien als ersten atheistischen Staat, da Religion als Hindernis auf dem Weg zur nationalen Einheit gesehen wurde. Kirchen und Moscheen wurden geschlossen und in vielen Fällen als Jugendkulturhäuser weitergenutzt oder gar ganz abgerissen. Nur solche Gebäude mit wichtiger kultureller oder historischer Bedeutung, wie die Moschee von Et’hem Beu im Zentrum von Tirana, überlebten.

Albanien erlebte in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg die wohl strengste kommunistische Diktatur in Europa. Enver Hoxha isolierte das Land komplett, selbst bis nach seinem Tod folgten seiner Nachfolger dieser Politik bis zum Jahr 1990. Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen dauerten bis 1992 an und führte zum Fall mehrere Regierungen. Im März 1992 konnten schließlich die ersten demokratischen Wahlen nach 45 Jahren Diktatur abgehalten werden, die von der Demokratischen Partei gewonnen wurden. Dies markierte auch das Ende der Isolierung Albaniens.

Albanien ist heute Mitglied der Nato (2009) und hat seit Juni 2014 den Status als offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.